Langzeitstudie

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„Unsere Häuser sind ein derart belastender Besitz, daß
sie uns häufig eher Gefängnis als Behausung sind“, so
beginnt der amerikanische Schriftsteller Henry David
Thoreau sein Waldhütten-Experiment am Walden-See
im 19. Jahrhundert. Er baute sich eine einfache
Blockhütte und lebte zwei Jahre lang abgeschieden
von jeglicher Nachbarschaft am Seeufer unter Bibern
und Bären. Inzwischen ist die Bautechnik einiges vorangekommen
und die Haltbarkeit der Konstruktionen
hat sich verbessert. Auch sind die Qualitäten der
Bauprodukte, der Bauausführung und der Planung
vorangeschritten; es sind die nachbarlichen Rechte und
Pflichten baubehördlich geregelt. Aber wer wollte
heute schon ausschließlich unter Bären und Bibern leben?
Die Ansprüche der Benutzer und Bauherrn sowie die
Anforderungen von Behörden kennen heute eine
deutliche Tendenz nach oben. Alles muß schneller
fertiggestellt sein, die Vorfinanzierung muß so kurzwie möglich sein,

keine Baustellenbelästigung,
Energiekennwerte müssen erreicht werden, Sicherheit
und Festigkeit, Brand- und Lärmschutz, der Bauablauf
soll reibungslos und glatt verlaufen - und zu
Weihnachten soll der Christbaum im neuen Wohnzimmer
stehen. Später, nach Jahren, soll alles noch
immer so problemlos funktionieren wie damals beim
Einzug. Wartung und Reparatur will man minimieren,
am besten vermeiden. Und so manchem Bauherrn
überkam trotzdem ein beklemmendes Gefühl, wenn
schon nicht in einem Gefängnis zu sitzen, so doch
zumindest unter den Verpflichtungen und Lasten des
Hausbesitzes zu stöhnen.
Jeder Bauherr möchte doch nicht nur in einem praktischen
und preisgünstigen Haus leben, sondern darüber
hinaus in einem schönen, auf das er stolz ist. Das Haus
darf und soll erst Frische und Kraft ausstrahlen,
danach sich dem Gebrauch anpassen und schließlich
eine würdige Alterung von Materialien und Bauteilen
aufweisen.
TuS und KLH arbeiten schon seit Jahren zusammen
und kennen einander, die Materialien und die
Baumethoden. Aber woher wissen sie eigentlich, daß
ihre Produkte und Methoden so gut und haltbar sind?

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In einem neugierigen Moment kam man zu der
Initiative, doch einmal eines der ersten gemeinsamen
Häuser zu untersuchen und nachzusehen, ob denn
auch an schwer zugänglichen Stellen noch nach Jahren
von Wind und Wetter alles dicht und fest sei. An zwei
Häusern wurden ausgesetzte Bauteile unter die Lupe
genommen.
Mit dem Skalpell, … - lesen sie weiter!

Haus G ......
Im Gegensatz zum Haus S. hat dieses freistehende Holzhaus für eine Grazer Familie tragende Elemente aus Brettsperrholz, die in Österreich hergestellt werden
und internationalen Ruf genießen: KLH. Diese Elemente haben in einer auf Effizienz und schnelle Machbarkeit fokussierten Zeit die Vorteile der sofortigen
statischen Belastbarkeit und somit einer unübertroffen kurzen Baustellenzeit. Darüber hinaus haben sie auch positive Wirkung auf das Erscheinungsbild eines Hauses. Der Bauherr sagte dazu: „Ich bin aufgewachsen in einem Holzhaus in Graz und ich erinnere mich, daß das Raumklima viel besser war als in den Massivbauten, in denen ich später wohnte. Als Architekt Oliver Seindl mit dem Vorschlag eines Holzhauses kam, haben wir gleich zugestimmt. Der Planer hat uns mit dem Systemhaus bekannt gemacht. Gemeinsam haben wir unser Haus entwickelt und auf der Baustelle dann funktionierte dank der Vorfertigung mit KLH-Elementen alles schnell und sauber. Die Montage dauerte 2 Tage.“ Die Unkompliziertheit der Baustelle und die Kürze
der Montagezeit ersparen viel Kopfzerbrechen und
Geduld. Im Innenraum sind die konstruktiven Elemente wie Decke und Wand aus KLH-Elementen sichtbar.

Holz dominiert auch in den Details der Treppe und des Geländers - frisches Türkis kontrastiert zu dem Goldocker des Holzes.

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Holz bietet eine wohnliche Atmosphäre aber auch
ein gutes Innenklima: „Überraschend ist, daß es
immer eine gute Luftfeuchtigkeit im Innenraum
gibt, auch in der Heizsaison.“, sagen die Bewohner.
Dies ist der großen Feuchtespeicherkapazität der
KLH-Elemente zu verdanken, die das Innenklima
positiv beeinflußt. Herr Tiefengraber, Meister-
Zimmermann, ergänzt: „Anders als bei Stein oder
Putzflächen hat das Holz eines KLH-Elementes eine
warme Oberfläche, was der Behaglichkeit zugutekommt.“

Haus S .....


Das Haus S., ein gediegener Holzriegelbau aus dem Jahr 1998, mit der entwickelten Fachkenntnis einer bewährten Holzbaumethode - aufgesetzt auf ein bestehendes Massivhaus, zwar leicht an Gewicht aber gediegen an Haltbarkeit und mit dem Charme
einer durchgewinterten Holzfassade. Die raue und unbehandelte Lärchenschalung - als Deckschalung ausgeführt - zeigt Spuren der harschen Bewitterung und gibt dem Haus dadurch einen markantenCharakter.

Die nach Westen orientierte Terrasse hat ebenfalls Holzbohlen als Belag, der Stiegenaufgang von der Südseite Holzstufen. Fenster und Türen aus Holz - die konsequente Wahl für Bauherren, die stolz sein wollen auf ihr Haus - funktionieren wie am ersten Tag - schön grau geworden und unbeschädigt. Alle horizontalen Holzflächen sind fachkundig detailliert und mit Zinkblech abgedeckt. Vor dem Treppenaufgang steht eine blühende Malve.
Im Inneren ist die Holzbalkenkonstruktion sichtbar gelassen. Die gediegene Tragfähigkeit der Balken ist geradezu spürbar. Die Holzfarbe ist goldocker geworden und gibt den Räumen eine warme Wohnatmosphäre. Geschickt gesetzte Fenster geben
den Räumen den ganzen Tag Ausblicke und Sonneneinstrahlung. Durch die Fenster sieht man auf die dunkelgraue bis umbrafarbene Lärchenschalung der Außenfassade. Jahrelang ist ein feiner Harzgeruch wahrnehmbar. Ein kalter Nordwind
weht heute Abend vom Ruinenberg herab.

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Langzeitstudie


Nun soll der Haltbarkeit und der Brauchbarkeit der Arbeiten von TuS in Zusammenarbeit mit KLH nachgegangen
werden. Zu diesem Zwecke wurden im Rahmen einer Langzeitstudie an zwei Projekten aus der Anfangszeit anfällige Konstruktionspunkte im Bereich des Daches inspiziert. Dies geschah durch das Aufschneiden der Dachhaut, dem Entfernen der Abdichtungslagen und der Messung der Holzfeuchtigkeit der darunter liegenden Holzteile. Es wurde größter Wert auf Genauigkeit und Sachlichkeit gelegt. Die erfahrenen Planer und Zimmerer wollten es wissen: „Halten
unsere Häuser wirklich so lange, wie wir unseren
Kunden erzählen?“ Dies ist auch ein Beispiel, woran man erkennen kann,
wie wichtig im Holzbau die fach- und funktionsgerechte Detaillierung aller Bauteile und Anschlüsse ist. Und da jedes Haus anders ist, anderen
Umwelteinflüssen ausgesetzt ist, so müssen der Planer und der Zimmermann das „G‘spür“ haben für die technischen Möglichkeiten und Notwendigkeiten.
Dies wird gewährleistet durch eine langjährige Zusammenarbeit des Planers und des Zimmermanns.

Man kann wohl mit Recht behaupten, daß an Hand dieser zwei Beispiele aus den Anfangsjahren der Kooperation TuS und KLH erwiesen ist, daß Holz ein taugliches und vielseitig einsetzbares Baumaterial ist, und dies schon seit Jahrhunderten. Als modernes
Brettsperrholz weist es noch andere nützliche Eigenschaften auf wie breitere Verwendbarkeit, sehr kurze Bauzeit und gestalterische Freiheit für ein
maßgeschneidertes Wohnen. lernen aus erfahrung
Keine gröberen Mängel an der Holzkonstruktion sind festzustellen.

So sieht Holz aus, das jahrelang seine tragende Funktion ausübt. Die
gemessene Holzfeuchtigkeit ist an allen Messpunkten normal, an einzelnen
wenigen Stellen kann die doch auftretende Feuchtigkeit aber
abtrocknen.
An mehreren Stellen wird die Dachhaut geöffnet und die darunterliegende
Holzkonstruktion, KLH-Elemente, auf Antastung durch eventuelle Feuchtigkeit
geprüft.

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Es verlangt aber sorgfältige Planung und Ausführung.
Kleine technische Fehler können über Jahre hin
einen erheblichen Einfluss ausüben. Erfahrung und
Wissen der Planenden und Ausführenden ist aber
die Grundlage für immer mehr Sorgfalt und technische
Zuverlässigkeit. Dies sollte auch durch diese
Inspektion von Bauteilen nach Jahren in Gebrauch
erreicht werden.
Moderne Herstellungsbetriebe wie KLH können
auch eine gleichbleibende Qualität ihrer Brettsperrholz-
Elemente garantieren. Die Lebensdauer
eines modernen Holzhauses ist zu vergleichen mit
der eines Massivhauses.

Mit einer Bauteil Simulation läßt sich der Temperaturverlauf
in den Bauteilen optisch festhalten.
Bautechnisch wichtig ist, daß keine Wärmebrücke
entsteht. Die Grafiken zeigen den Temperaturverlauf
und die Wärmestormanalyse im Anschluss von
Außenwand und Dach. Die augenscheinliche
Begutachtung zeigt: alles ist auch nach Jahren noch
zufriedenstellend dicht, ohne Wärmebrücke.
Auch ein Stück Wärmedämmung wurde durch
Abwiegen geprüft. Man kann aus der Gewichtszunahme
dieses Stücks eine etwaige Wasseraufnahme
ermitteln, und so feststellen, ob der
Feuchtigkeitstransport durch die Bauteile funktioniert
oder ob sich Wasserdampf als Kondensat
niederschlägt und in der Folge die Wärmedämmfähigkeit
bis zu 30% verringert.

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Wie steht es mit Holz und der Schönheit? Herr Gerstner: “Holz ist ein sensibler Baustoff und es ist die Ausstrahlung von Holz, die ein Holzhaus so wohnlich macht.“ Herr Habenbacher von KLH: „Ich empfehle, die Oberflächen der KLH-Elemente sichtbar zu lassen.

Sie bieten ein angenehmes und einzigartiges Erscheinungsbild auch im Innenraum. Die sichtbare Holzoberfläche in Kombination mit der exakten Verarbeitung der KLH-Elemente ergibt einen reizvollen Eindruck.“ Herr Tiefengraber: „Ich bin aufgewachsen in einem Holzhaus auf dem Betriebsgelände, das mein Großvater errichtet hat. Ich wusste schon im Kindergarten, daß ich einmal Zimmermann werden wollte.“ Aber man sollte auch Themen wie Umweltverträglichkeit und
Nachhaltigkeit nicht nur mit wirtschaftlichen Augen sehen, sondern auch die ästhetischen Wirkungen, die dadurch erreicht
werden.

So haben eine gesunde Waldwirtschaft und eine nachhaltige Holzindustrie wesentlichen Einfluss auf die Erscheinung
unserer Landschaft. Das Bauen mit heimischem Holz ergibt in der Wahrnehmung auch einen Eindruck einer Einheit und
Zusammengehörigkeit von Landschaft und Haus. Unsere Wahrnehmung wird in den Kinderjahren geprägt und
wir nehmen als schön wahr, was sich uns früh als Wesenheit zu erkennen gab. Holz mit seinen vielfältigen Farben und Formen,
seiner oft grilligen Faserstruktur, seiner handfreundlichen Wärme, seiner Wandlungsfähigkeit, seinem Geruch - es spricht
uns an, macht uns neugierig, beruhigt uns durch seine Vertrautheit. Es drückt sich selbst aus, man sieht seine Wesenhaftigkeit, wenn man ein Stück Holz betrachtet. Jedes ist anders, organisch gewachsen, mit Richtungsänderungen und Verzweigungen, mit Wunden und Einschlüssen - es zeigt sich zumeist ein unbändiger Drang zum Leben. Das ist es wohl, was
uns am Holz am meisten beeindruckt. Als Baum wächst es an noch so unwirtlichen Stellen, ringt sich zäh durch Fels und
Winterstürme. Geerntet, als Brett noch „arbeitet“ Holz - es ist nie tot.
Eine Holzfassade, zumeist Lärche sägerau, anfangs in hellem Gelbrot, die Holzmaserung deutlich unterschieden, nach dem
ersten Winter gegen grau sich neigend, danach silbergrau an den bewitterten Stellen oder ins dunkelocker und dunkelgrau
wo die Sonne hin scheint - es zeigt sich ein variantenreiches Grauspiel. Eine Vergrauung an der Holzoberfläche ist eine
natürliche Erscheinung, bei der unter besonderer Beteiligung des UV-Lichtspektrums photochemische, physikalische
(Auswaschungen) und biologische Prozesse (Mikroorganismen, Pilze und Bakterien) ablaufen. Dabei verändert sich die chemische Zusammensetzung an der Holzoberfläche. Es verbirgt sich grundsätzlich nichts Schadhaftes dahinter, wenn die
Grundbedingungen eines konstruktiven Holzschutzes gewährleistet sind - hierbei helfen der erfahrene Planer und
Zimmermann.
Zwar kann man durch Anstriche diesem Vergrauen entgegenwirken, doch nimmt man dem Material dadurch etwas von
seinem Charakter. Man sollte erkennen, daß diese Farbveränderung im Laufe der Jahre keine Beeinträchtigung, kein Materialfehler ist, sondern ein Merkmal; man fasse dieses eher auf als Schönheit, denn sie zeigt etwas von der Eigenart
des Materials, von der Einzigartigkeit des Stücks, das uns so bekannt ist und noch vertrauter wird. Sogar moderne industriell hergestellte Holzelemente zeigen diese Einzigartigkeit, denn sie fügen Bretter aneinander, was neue geometrische und farbliche Sinnlichkeit erzeugt.
Und jedes Jahr wachsen an der sonnenbeschienenen Fassade Tomatenpflanzen. Will man nicht schlaflos sich durch die Nächte der Bauzeit fristen, so scheint es nützlich, auf die Kunde und Erfahrung eines eingespielten Teams von Planern und Ausführenden sowie gediegener Materialien zu setzen. Die moderne Holztechnologie ermöglicht heute Anwendungen, wie sie vor wenigen Jahrzehnten noch unvorstellbar waren. Vorfertigung, Montage in 2 Tagen, ansprechende Erscheinung, und eine natürliche Einbettung in Lebenszyklen der Ökologie; erfahrene Planer, Fachmänner und Produzenten arbeiten intensiv zusammen an Wissenserweiterung über das Material Holz. Das aufgebaute Wissen kommt an jeder weiteren Baustelle zum Tragen. Es sind dem Gestaltungswillen von Bauherrn und der Machbarkeit
kaum Begrenzungen mehr gesetzt; umso klarer sollte man sich als Bauherr für dieses fundierte Wissen und die bewährte
Vorgangsweise beim Planen und Errichten entscheiden.
Wenn man etwas bauen will, sollte man etwas Praktisches und Nützliches bauen; aber wenn man etwas Praktisches und
Nützliches bauen will, sollte man nicht vergessen es schön zubauen.
„Alle guten Dinge sind billig, alle schlechten teuer“. (Henry
David Thoreau, 1817-1862)
C.B.
Zitate aus:Henry David Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern

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